Wie können seltene und wertvolle Insekten geschützt werden?

Der verantwortungsvolle Entomologe weiß natürlich, dass der Schutz von endemischen Arten sowie etlicher anderer besonders gefährdeter Arten dringend notwendig ist und durch geeignete Maßnahmen gewährleistet sein muss.

Hierunter versteht er erstens das Verbot des Sammelns, Fotografierens* und überhaupt unnötigen Betretens des betreffenden Gebietes, sowie den Schutz des Pflanzenbestandes.

*"Warum nicht fotografieren?" wird sich nun so mancher aufmerksame Leser fragen. Nun, der Grund ist einfach: auf der Suche nach einem geeigneten Standort zum Fotografieren werden oft viele Quadratmeter Vegetation rund um das Objekt niedergetreten, müssen eventuell so manche Pflanzen entfernt werden, um die Sicht auf das Objekt freizumachen. Im Falle des Apollofalters sitzt die Raupe gerne auf niederer Vegetation und ist durch ihre perfekte Tarnung kaum zu entdecken. Während man eine Raupe fotografiert, werden womöglich 10 andere Raupen unbemerkt totgetreten. Ich selbst habe schon öfters auf stark begangenen Wanderrouten, besonders in der Nähe von Bergstationen und Seilbahnen, zertretene Raupen des streng geschützten Apollofalters entdeckt.

Foto © by Thomas Neubauer; Raupe des Apollofalter (Parnassius apollo)

Wie aber kann man den Bewuchs eines Gebietes überhaupt sinnvoll schützen?

Hier möchte ich meine in mehr als 30 Jahren erworbenen Erfahrungen einbringen:

Alpine Gebiete, in denen Apollofalter leben, dürften eigentlich nicht mehr für den Tourismus erschlossen werden, der Bau von Schutzhütten, Seilbahnen, Skipisten und Güterwegen müsste hier unterbleiben, bzw. rückgängig gemacht werden.

Zweifellos wird ein natürlicher Lebensraum durch radikale, großflächige Abholzung zerstört. Auch die Verringerung von Weg- u. Ackerrainen bzw. deren gänzliche Entfernung vernichtet Lebensraum.

Ebenso kann eine totale Vernachlässigung der Bewirtschaftung den Lebensraum von bestimmten Arten zerstören, da durch die natürliche Sukzession der Bewuchs sich alsbald ändert.

Natürlich braucht es zum Fortbestand bestimmter Tier- und Pflanzengesellschaften auch offene Bodenflächen, wie sie durch Hochwasser, Erdrutsch, Lawinenabgang oder ganz einfach durch Bautätigkeit oder Abbau (Schottergewinnung etc.) entstehen, denn nur dort kommt es zur Wiederbesiedelung durch sogenannte Pionierpflanzen und den mit ihnen vergesellschafteten Tierarten. Die dort einsetzende Sukzession ermöglicht für etliche Jahre die Besiedelung durch mannigfaltige Tierarten, sofern die Fläche in Ruhe gelassen wird.

Beispiel einer Sukzession:

Unter diesem Aspekt scheint die Fortsetzung der traditionellen Bewirtschaftung als die sinnvollste Methode, einen Lebensraum zu erhalten. Das Herausschlagen einzelner Bäume aus einem Wald, die Erhaltung der Wiesen- und Weideflächen, ja sogar das gelegentliche Abbrennen von Feld- u. Ackerrainen trägt zur Erhaltung der Landschaft bei.

Doch liegt die Verantwortung nicht nur bei den Landwirten und Waldbesitzern. Jeder Grundstückseigentümer kann zum Naturschutz beitragen, indem er einen Teil seines Grundstücks im Urzustand belässt und höchstens einzelne zu groß gewordene Bäume oder Sträucher entfernt, indem er in diesem Bereich sogenannte Unkräuter duldet und mit dem Rasenmäher verschont.

Weiters hat er die Möglichkeit, anstelle von Thujen oder Liguster ortsübliche Strauchgehölze (Naturfruchthecke) pflanzt. Er trägt damit nicht nur zum Insektenschutz bei, sondern erhält damit gleichzeitig auch den Lebensraum von Vögeln, Igeln und vielen anderen schutzbedürftigen Kleintieren.

Falls Sie – lieber Naturfreund – weitere Vorschläge zu diesem Thema haben, dann schicken Sie mir eine e-mail. Gute Ideen sind immer willkommen, aber auch für Kritik bin ich zugänglich.

Ich werde mir erlauben, gute Beiträge zu dieser Thematik hier zu veröffentlichen.


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